Autorin der Notiz: Johanna Watanabe

Angststörung - Haltung als Therapie

Die etwas andere Therapie deiner eigenen Angststörung

Was ist eine Angststörung?

Eine Angststörung ist Angst oder Panik, die viel stärker ist, als es dem Auslöser von außen betrachtet angemessen wäre. Innerlich fühlt es sich für die betroffene Person jedoch SEHR angemessen an.

Das kann eher allgemein und diffus sein (generalisierte Angststörung) oder sich auch auf bestimmte Dinge beziehen (z.B. Spinnenphobie).

Oft drückt sich diese Angst auch stark über den Körper aus (z.B. Zittern, Schwindel, Schweißausbruch, Herzklopfen...).

Was hat die Haltung mit der Angst zu tun?

Der Körper und die Psyche sind eng verschränkt.

Du kannst das ganz einfach an dir selbst ausprobieren. Setze dich so krumm wie möglich hin, seufze viel, lass die Schultern nach vorne hängen und mach dich so winzig wie möglich. Und jetzt versuche, dich über den Tag zu freuen. Oder sag mal in dieser Haltung: Ach, wird schon alles gut gehen. Wenn du auch so tickst, wie ich, dann kommt da höchstens ein depressives und kaum glaubwürdiges Gebrummel raus.

Dann streck dich mal nach oben, mache dich so groß zu kannst. Öffne die Hände, lass alles Schwere los. Hüpfe ein bisschen auf und ab. Und dann setzt du dich ganz aufrecht hin, das Kinn leicht angehoben, die Schulter schweben locker. Die Brust steigt nach vorne-oben. Und vielleicht spürst du jetzt schon, wie leicht eine Lächeln dein Gesicht verzaubert. Und wenn du dich jetzt über den Tag freust oder darüber sprichst, dass schon alles gut wird, dann sollte es sich deutlich anders anfühlen.

Das ist die Macht der Haltung. Und diese Macht liegt in deiner Hand.

Weshalb ich an deiner Stelle das mit der "Störung" weglassen würde

1. In meiner Jugend war es ein Schimpfwort. "Der oder die ist aber gestört...". Grundsätzlich versuche ich, mich möglichst wenig zu beschimpfen. Schon allein deshalb würde ich immer lieber von übermäßiger Angst, Panikattacken usw. sprechen, als von einer Störung. Wenn der Begriff bei dir aber nicht so negativ besetzt ist, dann vergiss das lieber wieder.

2. Störung hört sich für mich nach richtiger Krankheit an. So als wäre irgendwas ganz Grundlegendes gestört. Aus meiner Sicht sind Diagnosen sowas wie Schuhe. Du kannst sie dir anziehen oder auch nicht. Ich würde mir an deiner Stelle ganz genau überlegen, welche Schuhe dir wirklich von Nutzen sind, bevor du sie anziehst. Denn es besteht die Gefahr, dass du irgendwann denkst, diese Schuhe würden zu dir, zu deinem inneren Kern gehören. Und dann wird es sehr schwer, diese wieder auszuziehen. Ich habe bei mir selbst und auch meinen Patienten beobachtet, dass die Wahrscheinlichkeit einer Selbstheilung anstieg, wenn die Diagnose nicht allzu fest innerlich verankert wurde.

3. Diagnosen sind nichts anderes als Bündel von verschiedenen Beschwerden, die öfters zusammen auftreten. Durch diese Bündelung und Namensgebung wird Forschung überhaupt erst möglich. Gleichzeitig schränkt dieses Vorgehen die Ursachensuche in der Selbsthilfe ein. Wenn ich zum Beispiel Schwindel spüre, sagt mir der Arzt, es kommt von meiner Angststörung und ich höre beruhigt auf nach Lösungen zu suchen. Dabei kann der Schwindel auch von den Faszienverspannungen des Nackens kommen. Oder weil ich zu wenig schlafe, oder trinke oder meine sozialen Beziehungen mir die Luft nehmen. Oder die neue Zimmerfarbe dünstet noch aus... meine Hormone spielen verrückt, ich bewege mich zu wenig usw.

Erste Schritte raus aus der Angst...

Schau dir meine verlinkten Videos an. Ich denke, die könnten dir weiterhelfen.

Fordere nicht zu viel von dir. In einem Buch neulich habe ich gelesen, dass man lediglich 110% geben muss, um erfolgreich zu sein. Ich versuche immer 300% zu geben. Ich denke inzwischen, das ist zu viel. Vielleicht ist es bei dir ähnlich. 110% genügen.

Mache es dir zur Gewohnheit, dich regelmäßig zu strecken, dich groß zu machen, dich aufzurichten. Nimm deinen vorbestimmten Raum ein. So groß wie dein Körper voll ausgebreitet ist, so viel Raum darf er auch natürlicherweise einnehmen.

Suche nach einer Methode, mithilfe der du deine hinderlichen Überzeugungen entdecken, würdigen und dann loslassen kannst.

Schlafe mindestens 8 Stunden pro Nacht. In der letzten Hälfte der Nacht werden Emotionen verarbeitet. Wenn du immer nur 6 Stunden schläfst, nimmst du deinem Gehirn diese Möglichkeit.

Gehe jeden Tag einmal vor die Tür, und wenn du Kraft und Lust hast, schließe dem einen kleinen Spaziergang an. Wenn nicht, dann nicht.


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Mein Kommentar dazu

Ich hoffe, dieser Text hilft dir weiter. Liebe Grüße, Johanna